Glasseminar, Rückblick

 Glasmalerei, eine Kunstgattung zwischen Architektur und Malerei, ist im Wintersemester Thema des neuen Arbeitskreises. Im 20. Jahrhundert sind zahlreiche bedeutende und sehr unterschiedliche Verglasungen von besonderen Räumen ausgeführt worden. Spirituelle Räume, Profanbauten, Kirchen aller Konfessionen und Synagogen gehören dazu.
Ausgehend von Glasfenstern der Gegenwart, werden im Arbeitskreis folgende Fragen in den Mittelpunkt gestellt: Neue Kirchenfenster treten in einen Dialog mit bereits vorhandenen älteren Fenstern. Sie treten auch in einen Dialog mit einer traditionsreichen Architektur. Wie lassen sich relevante Faktoren finden, die eine Beschreibung und Einordnung dieser Beziehungen und künstlerischen Auswirkungen ermöglichen? Exemplarisch werden Analysen von Neuverglasungsprozessen für besondere Orte durchgeführt. Es werden auch die Spezifika erarbeitet, die mit der Herstellung eines Glasfensters vom Entwurf über die technische Ausführung bis zur Fertigstellung verbunden sind. Durch die Zusammenarbeit mit einer Werkstatt tragen immer mehrere Hände zum Entstehen der Glaswerke bei.
Eine mittelalterliche Kathedralverglasung wird von Abt Gosbert im 10. Jh. so in Worte gefasst: „Alle Besucher staunen über die mannigfaltige Wirkung des Kunstwerkes aus Glas und ihre Herzen durchdringt vielfache Freude“. Eine unübersehbare Schar Heiliger und biblische Berichte werden in Bildern vorgestellt und bestimmen die Themen. Eintausend Jahre später formuliert Ludwig Schaffrath über seine abstrakten Glaswerke auch für Kirchen: „Wahrhafte Kunst muss den Menschen packen und ihn aus seinem Alltag
herausheben.“ So werden im Arbeitskreis auch die Themen aus Bibel, Kirchengeschichte und Alltagsleben untersucht, die den Künstlern der Gegenwart bei Verglasungen spiritueller Räume Quellen der Inspiration sind.
Selten sind die Künstler heute reine Glasmaler, ihr Werk zeigt oft eine große Vielfalt anderer Materialien. Wie ist die Arbeit mit Glas im gesamten Werkkontext des Künstlers verhaftet?

Leitung: Dr. Martina Langel

Gesichter schauen uns an - Portraitmalerei

Kunsthistorische Betrachtungen - vorbei

 

Sie schauen uns an, sie blicken in unsere Zeit. Sie gestatten einen Blick in ihre Welt, sie spielen uns Fragen zu – Menschen aus vergangenen Zeiten! Portraits laden ein zum Dialog.

 

Erläuterung

Der Arbeitskreis beschäftigt sich mit einer der klassischen Bildgattungen innerhalb der Malerei: der Portraitmalerei. Seit dem 15. Jahrhundert wird es zunehmend üblich, individuelle Bildnisse von Herrschern und auch Privatpersonen zu schaffen, die dann nachfolgenden Generationen deren Individualität überliefern können. Der historische Kontext der Entstehung eines Portraits und seine Funktion, sowie die bildkünstlerische Vielfalt sind dabei zu analysieren. Im Arbeitskreis werden ausgewählte Arbeiten vom 15. bis 21. Jh. besprochen. Dazu gehören Künstlerselbstportraits, Herrscher- und Stifterbildnisse, Politiker- und Kinderportraits und Portraits Unbekannter.

 

Frage

Der Arbeitskreis geht von der Beobachtung aus, dass der Weg zum individuellen Bildnis zunächst bestimmt war durch die Hinwendung zu einer Beschreibung des Individuums und seiner Charakteristika. Die Suche nach der Identität wurde wichtig. Es wird zu fragen sein, inwieweit ein Portrait eindeutig die Wiedergabe eines Gesichtes in individueller Weise beschreibt. Welche Wahrheit kann hinter der Abbildung liegen, die zu erkennen Aufgabe des Betrachters ist?

Die Beobachtung, dass in der medialen Welt heute eine Fülle fotografischer Selbstportraits erzeugt wird, wirft in besonderer Weise die Frage nach Grenzen und Chancen von gemalten Portraits auf. Es wird zu reflektieren sein, welche Bedeutung einem heute gemachten Portrait (Foto oder Gemälde) zukommen kann.